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(un)gerechte Behandlung

Es gibt Weniges, bei dem ich so richtig grätig werde; dazu gehört, wenn ich etwas "in die Schuhe geschoben" kriege. Wenn also irgendjemand irgendetwas mir anlastet, wofür ich gar nicht verantwortlich bin. Wenn mir Beweggründe oder Absichten unterstellt werden, die so überhaupt nicht da sind. Wenn die Schuld für irgendeinen Umstand bei mir gesucht wird, aber eigentlich bei jemand anderem liegt. Dann fühle ich mich ungerecht behandelt, missverstanden, fälschlich getadelt. Und reagiere entsprechend...

Eine Ausnahme mache ich für den Heiligen Nikolaus: Der darf mir jedes Jahr sehr gerne etwas "in die Schuhe schieben". Ich halte das nämlich für einen schönen Brauch, auf diese etwas ungewöhnliche Art und Weise andere Menschen zu beschenken. Obwohl es ja irgendwie auch 'ungerecht' ist, denn der Nikolaus, so wie ich ihn kenne, beschenkt ja alle Schuh-Besitzer gleich, ungeachtet ihrer Leistungen und Verdienste bzw. ihrer Fehler und Versäumnisse...

Gott sei Dank ist das so; wenn hier auch noch das Leistungsprinzip unserer Gesellschaft angewandt würde und man gegebenenfalls "untendurch" sein könnte, was wäre das für ein Verlust. Lassen wir wenigstens den Nikolaus noch die Großherzigkeit und Güte Gottes zeigen, indem er allen etwas "in die Schuhe schieben" darf, und zwar etwas zum Freuen und Genießen! Dann wird anfanghaft spürbar, was der Dichter Jochen Klepper vor 80 Jahren geschrieben hat: "Gott will im Dunkel wohnen / und hat es doch erhellt. / Als wollte er belohnen, / so richtet er die Welt. / Der sich den Erdkreis baute, / der lässt den Sünder nicht. / Wer hier dem Sohn vertraute, / kommt dort aus dem Gericht." (Gotteslob Nr. 220,5)

Überlegen Sie doch mal: Wem könnten Sie in diesem Sinn mal was "in die Schuhe schieben"? Herzlich grüßt Sie
Reinhart Fritz, Pfarrer

Hier schreiben die katholischen und evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorger in Rheinstetten wöchentlich im Wechsel.
Das Bild zeigt v.l.n.r.: Pfarrer Gerd Ziegler, Pastoralreferent Markus Müller, Pfarrerin Ann-Kathrin Peters, Gemeindereferent Sebastian Kraft, Pfarrer Reinhart Fritz und Pastoralreferent Thomas Eckerle.
Das Wort für die Woche finden Sie auch in Rheinstetten Aktuell.