Sie sind hier

Gottesdienst

Lesegottesdienst für den 17. Januar 2021
(EG =Evangelisches Gesangbuch; NL = Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder)

Lied: EG 70, 1-4 Wie schön leuchtet der Morgenstern;
oder EG 66, 1.7.Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude

Eröffnung: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Psalm (105, 1-8)
Danket dem HERRN und rufet an seinen Namen;
verkündigt sein Tun unter den Völkern!

Singet und spielet ihm,
redet von allen seinen Wundern!

Rühmet seinen heiligen Namen;
es freue sich das Herz derer, die den HERRN suchen!

Fraget nach dem HERRN und nach seiner Macht,
suchet sein Antlitz allezeit!

Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat,
seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes,

du Geschlecht Abrahams, seines Knechts,
ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten!

Er ist der HERR, unser Gott,
er richtet in aller Welt.

Er gedenkt ewiglich an seinen Bund,
an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist

wie im Anfang so auch jetzt und allezeit
und in Ewigkeit. Amen.

Gebet
Herr, unser Gott, lieber Vater im Himmel,
wir möchten dir jetzt begegnen, denn bei dir finden wir Hilfe und Kraft für die Herausforderungen unseres Lebens.
Sprich dein Wort zu uns und lass uns spüren, dass du jetzt bei jeder und jedem von uns bist.
Lass uns auch spüren, dass wir jetzt gemeinsam vor dir versammelt sind, auch wenn das räumlich noch nicht möglich ist.
Lass alles, was uns beschäftigt und belastet jetzt in den Hintergrund treten und mache uns offen für die Begegnung mit dir.
Wir bitten dich durch Jesus Christus deinen Sohn, unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

Andacht zu Johannes 2, 1-11
(Predigttext für den 17. Januar 2021)
Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Jesus spricht zu ihr: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.
Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!“ Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: „Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister!“ Und sie brachten’s ihm.
Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: „Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“ Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.“

Liebe Leserin, lieber Leser,!
Ganz am Anfang seiner öffentlichen Tätigkeit sind Jesus und seine Jünger zu einem Hochzeitsfest eingeladen. Die Hochzeit galt damals als ganz besonderer Höhepunkt im Leben eines Menschen. Entsprechend ausgiebig wurde sie gefeiert. Meist sieben Tage lang.
Weil die Hochzeit ein besonders schönes Fest voll überschäumender Freude war, wurde sie schon im Alten Testament zu einem Bild für den Bund Gottes mit seinem Volk und für die Zeit, wenn der Messias kommt. Dieser sollte endlich Gottes Frieden bringen und eine Zeit voll Freude, Heil und Wohlergehen für sein Volk.
Auch Jesus selbst hat häufiger die Hochzeit als Bild für das gebraucht, was er den Menschen bringt. Dass er sein erstes öffentliches Wunder nun bei einer Hochzeit vollbringt, zeigt also indirekt an, dass er der erwartete Messias ist, und mit ihm der alte Bund Gottes mit seinem Volk Israel im neuen Bund mit allen Menschen sein Ziel und seine Erfüllung findet.
Wie lange Jesus mitgefeiert hat, wissen wir nicht. Man konnte zum Fest kommen und gehen. Die Gäste wechselten. Nur das Brautpaar und die für die Feier verantwortlichen Angehörigen und engen Freunde blieben die ganze Zeit. Jesus war jedenfalls mitten dabei, beim Feiern und Lachen, beim Singen und Tanzen und beim Genuss besonderer Speisen und eben auch von Wein.
Anders als der asketische Johannes, der Täufer, der abgesondert in der Wüste lebte, war Jesus mitten dabei im Leben der Menschen. Er war bei ihnen in Freud und Leid, im Jubel und in der Trauer. Er konnte feiern und das Leben genießen. Können wir das auch?
Natürlich geht es nicht darum, nur nach dem Lustprinzip zu leben: „Ich mache nur, was mir Spaß macht.“ Aber ohne die Freude an den schönen Dingen, die uns eben auch immer wieder begegnen oder geschenkt werden, wird unser Leben trostlos und schwer. Jesus konnte jedenfalls auch feiern – und seine Jünger mit. Später lästerten die Gegner von Jesus, er sein „ein Fresser und Weinsäufer“. Gleichzeitig bezeichneten sie den Asketen Johannes als Besessen – man kann es manchen Menschen eben nicht recht machen…
Jesus hielt sich ganz unabhängig von dem, was Menschen zu ihm oder über ihn sagten. Viel wichtiger war ihm, was Gott, sein Vater im Himmel, zu und über ihn sagte. Das zeigt sich gerade auch in dem merkwürdigen Gespräch mit seiner Mutter.
Als der Wein ausging, geht sie zu Jesus und informiert ihn: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Offensichtlich traut sie Jesus zu, dass er dagegen etwas tun kann. Aber Jesus weist sie auffällig schroff zurück: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?“ Das klingt hart. Spricht man so mit seiner Mutter? Entspricht das dem Gebot, du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren? Warum reagiert Jesus so?
Vielleicht ist sein Verhalten so zu erklären: Maria forderte den Einsatz seiner göttlichen Macht, um die Notlage zu wenden. Genauso, wie es der Satan in der Versuchungsgeschichte machte: „Mach die Steine zu Brot und stille deinen Hunger.“ Aber Jesus setzte seine Macht immer nur in völliger Übereinstimmung mit seinem Vater im Himmel ein. Maria hätte ihn darum bitten dürfen, doch etwas zu tun, um die Not zu wenden. Aber sie durfte nicht ihre Autorität als Mutter einsetzen, um ihn zum wunderbaren Handeln zu drängen.
Jesus weist sie darum in ihre Grenzen: Du hast kein Recht zu verlangen, was nur Gott selbst entscheidet. Damit wehrt er die Versuchung ab, seine Macht eigenwillig zu missbrauchen. Dass Maria trotz der Abfuhr die Bediensteten anweist, zu tun was Jesus sagt, zeigt wie groß ihr Vertrauen zu ihm ist. Nachdem Jesus klargestellt hat, dass er nur auf Gottes Auftrag hin handelt und sich nicht von Menschen bestimmen lässt, greift er doch ein.
Eigentlich war es die Aufgabe des Bräutigams und seines Festverwalters für genügend Wein zu sorgen. Jetzt übernimmt Jesus die Aufgabe des Bräutigams: Er sorgt für den Fest-Wein – und er tut dies durch ein Wunder. Damit macht er deutlich, dass er der versprochene Messias ist, dass er den alten Bund Gottes mit seinem Volk erfüllt und den neuen Bund aufrichtet. Er ist der Bräutigam des Hochzeitsfestes, das Gott für sein Volk und seine Gemeinde ausrichtet. Er bringt die Gerechtigkeit, den Frieden, die Freude und das Heil Gottes in unsere Welt.
Und wir dürfen mit ihm leben, wie eine Braut mit ihrem Bräutigam. In enger, vertrauensvoller Beziehung. Wir dürfen uns ihm im Glauben ganz anvertrauen: Er will auch für uns da sein und mit uns leben. Gottes Hochzeit für uns Menschen hat schon begonnen. In der Glaubensbeziehung zu Jesus Christus fängt sein Heil für uns schon an, wird schon spürbar, was er schenkt und was er einmal in Fülle schenken wird.
Mit seiner merkwürdigen Bemerkung an Maria „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ weist Jesus geheimnisvoll voraus, wie er Gottes Gerechtigkeit und Frieden bringt: Wenn Jesus später von „seiner Stunde spricht“, meint er damit seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung am dritten Tag – den eigentlichen Kern seines Rettungshandelns für uns Menschen. Dort am Kreuz hat er den Brautpreis bezahlt und uns losgekauft von den Mächten des Bösen und des Todes. Und durch seine Auferstehung hat er uns den Weg geöffnet zu einem neuen Leben in enger vertrauensvoller Beziehung zu ihm. Zu einem Leben, das auch der Tod unseres Körpern nicht beenden kann.
Bräutigam und Wein weisen hier also schon voraus, wer Jesus eigentlich ist und was er für uns tut. So hat Jesus dann beim Abendmahl auch den Wein gedeutet: „Nehmt hin und trinkt, das ist mein Blut, das für euch vergossen wird, zur Vergebung der Sünden.“ Sein erstes öffentliches Wunder, das Weinwunder in Kana, zeigt ihn also als den von Gott angekündigten Messias und Retter der Welt. Mit ihm bricht Gottes Reich schon in dieser Welt an. Die große Menge Wein – immerhin ca. 600 Liter – weisen hin auf die Fülle des Lebens und der Freude, die er uns Menschen bringt. So sagt er später selbst von sich: Ich bin gekommen, um das Leben zu bringen, das Leben in seiner ganzen Fülle.
Seine Jünger haben offensichtlich damals schon ein wenig von dem begriffen, was Jesus mit sich bringt. Von ihnen heißt es am Ende des Berichts: Und seine Jünger glaubten an ihn. Das ist der Zielpunkt auf den die Worte und das Handeln von Jesus zielen: Dass Menschen glauben, dass sie sich ihm anvertrauen und in einer Beziehung mit ihm leben. Dass sie durch ihn heil werden und das Leben finden, das Leben aus Gott.
Ein Pfarrer fragte am Ende der Religionsstunde: Was haben die Menschen wohlgedacht, als sie dieses Weinwunder von Jesus miterlebt haben? Darauf ein Schüler: „Den laden wir auch mal ein!“ Darum geht es dieser Geschichte wohl auch heute, dass wir Jesus bei uns einladen. Er will als bleibender Gast unser Leben mit uns teilen und uns dabei sein Leben schenken – Leben in Fülle.
Liebe Leserin, lieber Leser, dass wie bei der Hochzeit in Kana mitten in Hoch-Zeiten unseres Lebens plötzlich Tief-Zeiten hereinbrechen können, mussten wir im letzten Jahr mit der Corona-Pandemie schmerzlich erleben. Aber auch andere Tief-Zeiten gehören zu unserem Leben dazu. Es gibt in unserem Leben nichts Ungebrochenes. Jede Liebe, jedes Glück bekommt auch mal Sprünge.
Aber wenn Jesus in unser Leben eingeladen ist, dann ist er auch in den Tief-Zeiten bei uns. Und dann gilt für uns wie beim Weinwunder damals: Das Beste kommt zum Schluss! Dann nämlich, wenn Gott sein Reich vollendet in seiner neuen, ewigen Welt. Dort wird unser Leben ganz ungebrochen „Leben in Fülle“ sein, denn Gott selbst ist dort unmittelbar gegenwärtig. Darauf dürfen wir uns jetzt schon in Hoch- oder Tief-Zeiten freuen, denn wir wissen, dass der Tag kommt, an dem alles gut wird.
Amen.

Lied: EG 398, 1-2 In dir ist Freude in allem Leide
oder: EG 665, 1-3 Wir haben Gottes Spuren festgestellt

Fürbitten:
Allmächtiger Gott, barmherziger Vater!
In dieser Zeit der Verunsicherung und Krankheit kommen wir zu dir und bringen dir all unsere Sorgen.
Du schenkst uns Hoffnung und Zuversicht, damit uns Sorgen und Unsicherheit nichtüberwältigen. Du bleibst uns nahe, auch wenn wir Abstand voneinander halten müssen. Wir sind in deiner Hand geborgen, selbst, wenn wir den Halt zu verlieren drohen.

Wir bitten dich für alle Menschen, die sich mit dem Corona-Virus angesteckt haben und erkrankt sind um einen guten Verlauf und schnelle Genesung;
für alle Angehörigen, die in tiefer Sorge sind; für alle, die um die um verstorbene Angehörige und Freunde trauern, tröste sie und gib ihnen Hoffnung auf dich.
Wir bitten dich für alle, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben und um ihre Existenz fürchten. Zeige du Wege auf, wie Notlagen verhindert werden können.

Wir bitten dich für alle Ärztinnen und Ärzte, für alle Pflegenden in den Kliniken, Heimen und Hospizen um Kraft und Gesundheit, bewahre sie vor Ansteckung und leite sie in ihrem Handeln.
Wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen in Staat, Gesellschaft, und Wirtschaft um gute Ideen und den Mut richtige Entscheidungen zu treffen.
Wir bitten dich für alle, die uns Tag für Tag mit dem Lebensnotwendigen versorgen um deinen Schutz

Wir bitten dich für die jungen Menschen unter uns, die Kinder und Jugendlichen, für die Familien mit ihren Kindern, für alle, die die Betreuung von Kindern und Jugendlichen übernommen haben und sicherstellen, und für alle, die sich jetzt einsam fühlen weil sie keinen Besuch mehr bekommen dürfen. Sei ihnen allen nahe, schenke ihnen Geduld und Weitsicht, Verständnis und Hoffnung.

Weil wir aus deiner Liebe und Zuwendung leben und auf dein Reich hoffen, bitten wir dich: Erfülle bald, was du zugesagt hast, und richte dein Reich des Friedens, der Freude und der Gerechtigkeit auf. Gib uns Geduld und Ausdauer im Warten und Hoffen auf dich mit Worten und Taten der Liebe für unsere Mitmenschen.

Was uns weiter bewegt, sagen wir dir mit den Worten, die Jesus zu beten gelehrt hat:
Vater unser im Himmel. / Geheiligt werde dein Name. / Dein Reich komme. / Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. / Unser tägliches Brot gib uns heute./ und vergib uns unsere Schuld / wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. / Und führe uns nicht in Versuchung / sondern erlöse uns von dem Bösen. / Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Lied: EG 70, 6-7 Wie schön leuchtet der Morgenstern;
oder NL 142 Gnädiger Gott, lass dein Angesicht leuchten

Wochenspruch aus Johannes 1, 16:
Aus seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe euch Frieden.
Amen.